Herr Tawil, die meisten Menschen kennen Sie als einen der erfolgreichsten und populärsten Musiker Deutschlands. Wie kam es, dass Sie Ende 2017 zum Präsidenten der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung gewählt wurden?
Bei einem schweren Badeunfall habe ich mir mehrfach einen Halswirbel gebrochen. Durch den Unfall und die lange Reha hat sich mein Leben deutlich geändert. Dazu gehört, dass ich verstehe, wie viel Glück ich hatte. Ich habe Menschen mit der gleichen Diagnose kennengelernt, die ihr Leben jetzt im Rollstuhl verbringen. Ich habe erlebt, dass es Situationen gibt, in denen man auf die Hilfe und den Sachverstand anderer Menschen angewiesen ist. Als Joachim Breuer, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, auf mich zukam und mir ihre Arbeit vorstellte, habe ich spontan entschieden, mich aktiv zu engagieren.
Wenn Sie auf Ihren Unfall und die Zeit danach zurückblicken: Wie haben Sie die neunmonatige Rehabilitation erlebt? Wann stand fest, welche Auswirkungen der Unfall auf Ihr weiteres Leben haben wird?
Ich denke, da ging es mir wie vielen Verletzten. Am Anfang wusste ich nur, dass es eine langwierige Behandlung wird – Ausgang ungewiss. Man hofft, man verzweifelt, man ist hilflos, man mobilisiert alle Kräfte. Ich war immer dankbar, wenn ich Menschen traf, die mir Zuversicht und Sicherheit gaben. Meine Stützen waren Familie und Freunde, die Ärzte und die Reha-Therapeuten. Die Rehabilitation selbst war wie Hochleistungssport: In vielen kleinen Schritten wieder Vertrauen in den Körper aufbauen, Belastungen austesten und sich in den Alltag zurück kämpfen. Als klar war, dass ich bis auf kleine Einschränkungen vollständig gesund werde und meinen Beruf weiter ausüben kann, war das ein kaum vorstellbares Glücksgefühl.
Wie hat diese Phase Ihres Lebens Ihre Einstellung zum Leben (und vielleicht auch zu Ihrer Gesundheit) verändert?
Tiefgreifend! Ich bin dankbar für das, was ich habe, und empfinde heute eine andere Art von Glück und Zufriedenheit. Das hört sich vielleicht pathetisch an, trifft es aber. Und zur Gesundheit? Wie viele Menschen habe ich lernen müssen, dass sie kostbar, verletzlich und nicht selbstverständlich ist.