Welchen Beitrag Werkstatträte in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen leisten und wie die Beteiligung der Werkstattbeschäftigten in der Praxis umgesetzt wird, ist empirisch kaum belegt. Mit ihrer Dissertation "Partizipation durch Werkstatträte? Mehrperspektivische Betrachtungen und sequenzielle Mixed-Methods-Studie" schließt die Preisträgerin diese Forschungslücke.
Wie werden die gesetzlichen Regelungen auf praktischer Ebene ausgestaltet? Welche Faktoren befördern bzw. behindern eine gelingende Werkstattratsarbeit? In die Studie sind die Befragungsergebnisse von 344 Werkstattratsgremien, 230 Vertrauenspersonen und 140 Werkstattleitungen eingeflossen. 25 Jahre nach der Einführung von Werkstatträten werden damit erstmalig umfassende, belastbare Daten zu den Strukturen und der faktischen Ausgestaltung der Werkstattratsarbeit vorgelegt. Im empirischen Ergebnis kann Viviane Schachler zeigen, dass ein Teil der Werkstatträte die gegebenen Befugnisse erfolgreich in autonomes und durchsetzungsstarkes Handeln überführt, die Umsetzung in Teilen jedoch noch unzulänglich ist. Mit der Identifizierung von Faktoren, die einen fördernden bzw. hemmenden Einfluss auf eine aktive und autonome Werkstattratsarbeit haben, liefert die Preisträgerin wertvolle Ansatzpunkte, unter welchen Bedingungen eine Werkstattratsarbeit gelingen kann.
Viviane Schachler studierte von 2007 bis 2012 Soziale Arbeit an der Universität Kassel. Im Anschluss arbeitete sie als Referentin und Projektkoordinatorin bei der Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihrer Angehörigen in Bayern e.V., und als Koordinatorin zur Erstellung eines kommunalen Teilhabeplans für die Stadt Ansbach. Von 2017 bis 2021 wirkte sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet "Rehabilitation und Teilhabe im Sozialraumbezug", Hochschule Fulda, im Forschungsprojekt "Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen" mit und promovierte 2021 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit Dezember 2021 hat sie die Professur "Soziale Arbeit in der Rehabilitation", HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen inne.
Der mit 5.000 Euro dotierte Zarnekow-Förderpreis wird von der Zarnekow-Stiftung im Stifterverband an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die sich in herausragender Weise mit einem rehabilitationswissenschaftlichen Thema befasst haben. Die Stiftung schreibt ihren Preis jährlich in Kooperation mit der Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften aus.