Die Leidensgeschichte von Linda Liedel begann genau zu dem Zeitpunkt, als die Karriere der jungen, hochtalentierten Fußballerin eigentlich richtig Fahrt aufnahm: Die damalige Jugendnationalspielerin war im Sommer 2017 von ihrem Heimatverein TSV Schott Mainz in die USA gewechselt – in das Nachwuchsteam der Harvard University. Im September erzielte die Abwehrspielerin direkt ihr erstes Tor, sie lebte sich am College ein, alles schien wie gemalt.
Wenige Wochen später erlitt die damals 17-Jährige jedoch ihre erste Gehirnerschütterung. "Ich wurde in der Schlussviertelstunde eingewechselt, war hoch motiviert", erinnert sie sich. "Wir führten mit 1:0, die gegnerische Stürmerin holte zum Schuss aus, ich stürze ihr entgegen. Bam." Nach kurzer Verwirrung spielte Liedel weiter, auf der Rückfahrt wurde ihr schlecht. "Am nächsten Tag", das weiß sie noch, "lief ich wie auf rohen Eiern." Nach zwei Wochen Pause stand sie wieder auf dem Feld.
In der darauffolgenden Saison erwischte es die Abwehrspielerin immer wieder – und ausgerechnet im Endspurt um die Meisterschaft besonders heftig. Ihre Mannschaft hatte einen Rückstand gedreht und lag 3:2 in Führung. Liedel ging zum Kopfball hoch – und bekam den Ellenbogen der Gegenspielerin ins Gesicht. Verwirrung, Übelkeit, Kopfschmerzen: Es war ein Déjà-vu für Liedel.