Im Jahre 2018 veröffentlichte Daten des Amerikanischen Krebsregisters zeigen, dass eine rein alternative Vorgehensweise (ohne jegliche konventionelle Behandlung) bei Mammakarzinom mit einer fünffach erhöhten Sterblichkeit einhergeht. Von einer ausschließlich alternativen Therapie muss daher dringend abgeraten werden. Gleichzeitig wünschen sich 75 Prozent der Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom in Deutschland Informationen zu ergänzenden Therapien. Es besteht also ein deutlicher Bedarf, eine evidenzbasierte Beratungs- und Behandlungskompetenz in der Onkologie im Sinne einer Integrativen Medizin zu implementieren – das Habilitationsvorhaben von Dr. Petra Voiß trägt hierzu bei.
Dass Dr. Voiß dabei den Schwerpunkt auf Schlafstörungen legte, ist kein Zufall. Denn beinahe 70 Prozent der Patientinnen mit Mammakarzinom leiden unter klinisch relevanten Schlafstörungen kurz nach Diagnosestellung, 18 Monate später sind es noch 42 Prozent. Das Prekäre daran: Schlafstörungen führen bei Frauen nach Brustkrebserkrankung zu klinischen Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit am Tag sowie der Lebensqualität und tragen zu krebsbedingter Fatigue bei. Schlaf beeinflusst die Stresshormon-Achse und das vegetative Nervensystem, welche wiederum die Immunabwehr regulieren. Die Schlafqualität kann also Einfluss auf die Prognose haben: Entwickelt sich nach der Diagnose eines Mammakarzinoms eine Insomnie, steigt das Brustkrebsspezifische Mortalitätsrisiko nach Daten aus der Nurses‘ Health Study um 78 Prozent.
Dr. Voiß und ihr Team führten eine Metaanalyse zur Sicherheit von Akupunktur in der Therapie onkologischer Patientinnen und Patienten durch bei welcher 62 randomisiert kontrollierte Studien und cross-over Studien inkludiert wurden. Die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen in den Akupunkturgruppen war insgesamt relativ gering: interventionsbedingte Ereignisse wurden bei 86 von 1.278 Patientinnen und Patienten (6,7 Prozent) berichtet; nicht-schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 151 von 746 (20,2 Prozent); schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 6 von 829 (0,7 Prozent) und ein Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse bei 31 von 1.825 Patientinnen und Patienten (1,7 Prozent). Insgesamt kann Akupunktur auf dieser Grundlage als sicheres Verfahren in der onkologischen Therapie angesehen werden.