Die Preisträger des diesjährigen Stiftungspreises, das Geschwisterpaar Şerife Vural-Banik und Murat Vural, hatten vor fast zwanzig Jahren den Bildungsverein Chancenwerk e.V. gegründet. Er fördert junge Menschen in ihrer schulischen Bildung und setzt dabei auf ein Geben- und Nehmen-Konzept: Ältere Schüler und Schülerinnen geben jüngeren Nachhilfe, während die alteren in Intensivkursen ihrer Wahl Unterstützung durch Studierende erhalten. Das Konzept zielt insbesondere auf die Förderung benachteiligter junger Menschen, zu denen mehrheitlich Migrantenkinder gehören. Das Chancenwerk ist inzwischen mit mehr als 400 vornehmlich ehrenamtlich tätigen Aktiven an Schulen in fast 40 Städten erfolgreich.
In seiner Laudatio würdigte Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan den Grundgedanken der Chancenwerk-Gründer Şerife Vural-Banik und Murat Vural: "Hier wird eine neue Sorte des Kapitals erzeugt: Wissen wird zur Währung." Zudem würden die vom Chancenwerk bereitgestellten kostenlosen Materialien und Lehrhefte dazu beitragen, dass Lehrkräfte, die ein Fach nicht unterrichten, aber Schulkindern mit Bildungsdefiziten helfen wollen, eine enorme Entlastung erfahren.
Auch im Hinblick auf Akzeptanz und Anerkennung unter nahezu Altersgleichen helfe das Kaskadensystem des Chancenwerks, weil auf ähnlicher Augenhöhe kommuniziert werde. Uslucan: "Da die älteren Schüler im Gegensatz zu den Lehrkräften keine ausgebildeten Pädagogen sind, kommt dem Verhältnis 'Mentor bzw. älterer Schüler versus Schüler', besondere Bedeutung bei." Pädagogische Studien würden belegen, "dass vor allem Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten in der Schule haben, am meisten von einer guten Beziehung im Unterricht profitieren", so Prof. Uslucan weiter. Der Wissenschaftler lehrt in Essen als Psychologe, Migrationsforscher sowie Leiter der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung.