Die Schilling-Stiftung fördert seit 50 Jahren herausragende kliniknahe Grundlagenforschung in der Neurologie. Anlässlich dieses Jubiläums hatte sie eine Professur im Bereich der Computationalen Neurologie ausgeschrieben. Die auf künstliche Intelligenz (KI) gestützte Forschung von Christian Meisel und seinem Team erarbeitet unter anderem neue Ansätze für die Versorgung von Menschen mit Epilepsie und intensivmedizinisch betreute Patientinnen und Patienten: Echtzeitfähige Monitoringverfahren sollen eine kontinuierliche Risikobewertung ermöglichen und falls notwendig, frühzeitiges therapeutisches Eingreifen ermöglichen. Die Professur ist mit einer Förderung von drei Millionen Euro über eine Laufzeit von acht Jahren verbunden.
Die Computationale Neurologie ist eine noch junge Forschungsdisziplin mit dem Ziel, das Verständnis neurologischer Systemfunktionen zu erweitern und die diagnostischen, therapeutischen und präventiven Möglichkeiten bei neurologischen Erkrankungen zu verbessern. Verfahren der künstlichen Intelligenz unterstützen dabei, große und komplexe Datenmengen (Big Data) zügig auszuwerten. "Wir arbeiten mit multimodalen Zeitreihen-Daten aus dem gesamten Gesundheits-Krankheits-Kontinuum und setzen dafür auch tragbare Messgeräte, sogenannte Wearables, und Neuromonitoring ein", erklärt Christian Meisel. "Dieses Vorgehen eröffnet ganz neue Dimensionen der Datenanalyse und ich bin überzeugt, dass wir dies in vielfältiger Weise konkret in der Versorgung der Patientinnen und Patienten anwenden werden können. Ich denke dabei nicht nur an einen beschleunigten Erkenntnisgewinn, sondern auch an einen schnellen Transfer dieser Erkenntnisse in die Patientenversorgung."
"Das Einwerben der Stiftungsprofessur ist eine großartige Auszeichnung von Christian Meisels Arbeit", sagt Professor Christopher Baum, Vorsitzender des Direktoriums des BIH und Vorstand für den Translationsforschungsbereich der Charité. "Wir freuen uns sehr darüber, dass wir diese wichtige Disziplin an der Schnittstelle zwischen Daten- und Lebenswissenschaften am BIH weiter ausbauen können. Hier wird sichtbar, dass Forschung die Lebensrealität von Betroffenen unmittelbar positiv beeinflussen kann und so der Mission des BIH gerecht wird: Erkenntnisse aus der Forschung zu den Patientinnen und Patienten zu bringen."
Professor Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie der Charité, ergänzt: "Die Förderung der Schilling-Stiftung und die zukünftige Arbeit von Christian Meisel wird unmittelbar den neurologischen Patientinnen und Patienten, unter anderem mit Schlaganfall, Epilepsie und auch auf der Intensivstation zugutekommen."