Wie geht es nach der Ausrottung der invasiven Arten durch den Menschen weiter?
Im Anschluss werden 13 lokal ausgestorbene Arten wieder angesiedelt, darunter auch die Floreana-Spottdrosseln, die Galapagos-Schleiereule, der Galapagos-Falke und die Floreana-Rasselnatter. In diesem Zusammenhang ist die Überwachung der Reaktion der Floreana-Lavaeidechse auf die Ausrottung für den Erhalt des Ökosystems der Insel wichtig. Für in der Nahrungskette höherstehende Raubtiere stellt die Floreana-Lavaeidechse ein häufiges Futtermittel dar. Durch die Ausrottung invasiver Arten verringert sich der Druck auf diese Echsen, wodurch ihr Populationswachstum gefördert werden sollte. Dadurch verändert sich auch die Struktur des Nahrungsnetzes auf Floreana, wovon der Erfolg der Wiederansiedlung einheimischer Raubtiere abhängt.
Die Zempelin-Stiftung unterstützt Ihr Promotionsprojekt. Welche Ziele würde Sie gerne erreichen und wie gehen Sie dabei vor?
In Kooperation mit der ecuadorianischen Umweltorganisation Fundación de Conservación Jocotoco wollen wir die Reaktion der Lavaeidechsenpopulation auf die Beseitigung der invasiven Arten mit Brodifacoum überwachen. Das machen wir unter anderem durch den Vergleich der Population vor und nach der Ausrottung sowie im Vergleich zu anderen Galapagos-Inseln. Dies soll die Grundlage für Entscheidungen zum Schutzmanagement für künftige Wiederansiedlungen geben. Außerdem möchten wir die Belastung einheimischer Arten mit Gift-Rückständen untersuchen. Zum Beispiel Reptilien, die nicht so empfindlich auf Brodifacoum reagieren, können zu fatalen Überträgern werden, da sie giftige Rückstände mit sich führen können, die bei anderen Wildtieren, zum Beispiel Raubvögeln, zu Todesfällen führen. Dadurch könnte die Wiederansiedlung von Arten gefährdet werden.
Denken Sie, dass die Erkenntnisse aus Ihrem Promotionsprojekt auch bei der Wiederherstellung von anderen Ökosystemen bedeutend sein können?
Auf jeden Fall! Floreana ist leider nicht die einzige Insel, auf die der Mensch invasive Arten eingebracht hat, welche nun diese so schützenswerten Ökosysteme bedrohen. Da die effektivste Maßnahme gegen den unerwünschten Verlust einheimischer Arten die Ausrottung der fremden Spezies unter anderem mit großangelegten Vergiftungen ist, ist es umso wichtiger, die Risiken und Konsequenzen für die Natur zu kennen, welche mit dem Einsatz solch tödlicher Giftstoffe einhergeht. Die Einblicke, die unsere Forschungsarbeit über den Abbau oder die Akkumulation von Brodifacoum in der Umwelt und den Einfluss auf Reptilienpopulationen und ihre jeweiligen Nahrungsnetze liefert, können für zukünftig geplante Ausrottungen und Wiederansiedlungen auf weiteren Galapagos-Inseln, aber auch weltweit genutzt werden. So kann hoffentlich der durch den Menschen verursachte Schaden erfolgreich gemindert werden.