Herr Prost, ob als streitbarer Unternehmer, der für seine Mitarbeiter eintritt, oder jetzt als leidenschaftlicher Stifter, der sich in der Ukrainehilfe engagiert, Ihr Motto scheint es zu sein, auf jeder Stufe und in jeder Rolle Ihres Lebens volle Verantwortung zu übernehmen. Wie kommt es dazu und was bedeutet das für Sie?
Streitbarer Unternehmer, leidenschaftlicher Stifter – es ist schon lustig, welche Etiketten mir aufgeklebt werden. Bunter Hund und roter Kapitalist war auch schon zu lesen. Ich halte mich für einen stinknormalen Menschen, der nichts anderes macht, als zu versuchen, sein Bestes zu geben. Wenn ich sage, ich will nicht als Arschloch sterben, sondern in meiner Lebensspanne etwas dazu beitragen, dass die Welt ein kleines bisschen besser wird und dass manch einem Mitmenschen, dem es nicht so gut geht wie mir, geholfen wird, so spiegelt dies nur eine normale Verhaltensweise normal sozialer Menschen wider. Ist es denn wirklich so bemerkenswert, wenn sich Starke um Schwache kümmern? Jede Religion, jede Zivilisation, alle Schriften über das Menschsein legen uns Menschen genau solch eine Verhaltensweise der Verantwortlichkeit und der Nächstenliebe ans Herz.
Kann es sein, dass dieses normale Menschsein von einem an und für sich unnormalen Egoismus unserer Zeit übertönt wird, und es deshalb zu solchen Fragen kommt? Mit dem Krieg in der Ukraine, Corona und dem Klimawandel haben wir inzwischen den Zustand sich überlappender Krisen erreicht. Der Staat federt seit der Lehman-Pleite 2008 in bewährter Weise die Auswirkungen solcher exogenen Schocks auf die Wirtschaft mit massiven Interventionen ab. Sie sehen dagegen mehr die Unternehmen in der Pflicht?
Was heißt denn Unternehmer? Genau, etwas unternehmen und nicht warten, dass einem geholfen wird. Ich sehe nicht die Unternehmen in der Pflicht, sondern ich sehe die Chancen für freies Unternehmertum – gerade in Krisen. Wenn wir unser System der freien und sozialen Marktwirtschaft aber so umbauen, dass wegen jedes Kriselchens nach Väterchen Staat gerufen wird, haben wir verloren. Irgendwas ist immer. So war es immer schon und so wird es in Zukunft auch sein. Die Krisen und die Chancen kommen und gehen. Wollen wir wirklich einen Staat und ein Wirtschaftssystem, das jedem, der nur laut genug schreit und jammert, mit Steuergeldern hilft, sein Geld zu verdienen? Handel ist Wandel. Nur wer sich anpasst, überlebt. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. All diese Weisheiten haben einen wahren Kern. Von Subventionen und staatlicher Unterstützung krisengebeutelter Unternehmen habe ich in diesem Zusammenhang noch nichts gehört. Ja, der Markt kann manchmal grausam sein. So wie die Natur auch. Wer überleben will, muss sich anpassen, kämpfen und Stärke zeigen. Nur starke und gesunde Unternehmen finden ihre Märkte, machen ihr Geschäft und sind in der Folge dann auch in der Lage, über Steuern und Sozialabgaben ihre sozialen Verpflichtungen zu erfüllen. Die Starken unterstützen? Nein. So macht man auch aus Starken mit der Zeit Schwache. Wenn wir die Schwachen der Gesellschaft stützen wollen, brauchen wir eine starke Wirtschaft. Und eine Wirtschaft ist auf lange Sicht gesehen nur stark, wenn sie sich selbst überlebensfähig macht und nicht am Subventionstropf hängt.